Worum geht es in diesem Projekt?
Es geht um zweierlei Dinge - Einmal ist da die Form des Ganzen, die von deutschem, so genanntem "Trash-TV" inspiriert ist. Hinter der großen Künstlichkeit offensichtlich gestellter Sendungen wie "Mitten im Leben", die zwar deutlich mit geradezu klassischen V-Effekten arbeiten aber dennoch dokumentarischen Charakter behaupten, und deren Zuschauer immer wieder überrascht sind, wenn in der Presse zu lesen ist, dass dieser gar nicht vorhanden sein soll, wird all zu häufig eine viel größere Ehrlichkeit und Wahrheit deutlich, als in irgendwelchen anderen Medienformaten. Nicht immer im Sinne der Protagonist_innen und Macher_innen, aber doch überdeutlich kommen dabei gesellschaftliche Probleme zum Ausdruck.
Nicht zufällig haben wir daher dieses dreifachbödige, bei aller Banalität und Plumpheit eben doch "tiefgründige" bzw. "ehrliche" Format gewählt, um unser Thema zu bearbeiten.
Es geht um Extrem rechte Positionen in der gesellschaftlichen Mitte. Um Dörfer, wie sie sich überall in Deutschland finden, in denen ein rechter Grundkonsens herrscht und in denen sich niemand über die große Naziszene wundern muss. In denen niemand etwas dagegen tut, wenn Rechtsradikale prügelnd und mordend durch die Straßen ziehen, und die Bürgermeister_innen lieber von "Linker Gewalt" sprechen, weil an den örtlichen Bushaltestellen per Grafitti Protest gegen die lokale Naziszene artikuliert ist, als das rechte Problem überhaupt als solches zu betiteln.
Wir betreiben keine tiefgründige Ursachenforschung und auch keine große Anklage. Wir liefern auch keinen Gegenentwurf. Wir dokumentieren.
Wir zeigen das Leben einer durchschnittlichen Familie in einer durchschnittlichen deutschen Kleinstadt. Ohne Kommentar. Eine wertfreie Dokusoap.
Was sind die Ziele und wer die Zielgruppe?
Zielgruppe sind einerseits Jugendliche, die die Situation, die wir beschreiben, kennen und merken, dass ihnen aus der Seele gesprochen wird. Jugendliche, die vielleicht normalerweise nicht ins Theater gehen würden, da ihre Lebenswelt im Theater all zu oft völlig unbekannt ist.
Andererseits wollen wir natürlich auch möglichst viele Menschen ansprechen, die sich mit dem Problem, um das es bei uns geht, überhaupt noch nie auseinandergesetzt haben. Ob das nun bildungsbürgerliche Mittfünfziger oder gutbetuchtes Schanzenpublikum unter 30 ist - Möge kommen wer will, Theater liegt schließlich derzeit in wirklich jedem Trend und nebenbei einen außergewöhnlichen Input gibt's quasi gratis dazu.
Dritte und letzte Zielgruppe sind Menschen, die Dokusoaps mögen und zu viel geschwollenes Gerede langweilig finden, und die sich freuen, wenn es auch im Medium Theater mal Unterhaltsames und Ehrliches zu sehen gibt.
Warum sollte man dieses Projekt unterstützen?
Weil es einzigartig ist.
Weil es wichtig ist!
Weil es gut ist.
Wo sonst im aktuellen Theater wird Spaß noch so groß geschrieben, ohne den Anspruch zu vergessen?
Wo gibt es gesellschaftskritisches, aktuelles Theater mit echten Inhalten, abseits der chorisch herausgeblökten Papierparolen? Wer zur Hölle findet René Pollesch und Konsorten wirklich erhebend, interesant, unterhaltsam oder irgendwie sehenswert?
Wo sonst wird dem nicht zu leugnenden Problem der rechtsradikalen Bürgerlichkeit in deutschen Kleinstädten eine Bühne gegeben?
Seit bekanntwerden der Zwickauer Zelle "NSU" leugnen nicht einmal mehr die Mainstream Presse die knapp 200 Nazi-Morde seit 1990 und die rechte "Normalität" in Deutschland, dank derer all diese überhaupt erst möglich waren, aber im Fernsehen und im Kino wird uns trotzdem zum tausendsten Mal die RAF vorgekaut!
Wo bleibt die mediale Auseinandersetzung mit der deutschen Rechten?
Wir haben lange genug darauf gewartet, und jetzt machen wir das selbst.
Und zwar da, wo es angeblich mal üblich war, gesellschaftliche Themen als erstes und am Radikalsten anzupacken, wo aber seit geraumer Zeit fast nur noch Schmonzetten und pseudo-intellektuelles Gelaber zu finden sind: Im Theater!
Was passiert mit dem Geld bei erfolgreicher Finanzierung?
Theater ist irgendwie teuer.
Wir brauchen Kostüme und Requisiten und wollen auch ein halbwegs akzeptables Bühnenbild präsentieren.
Wir brauchen Soundequipment für optimalen Hörgenuss.
Wir müssen die marode Lichttechnik in unserer Spielstätte um ein paar Scheinwerfer ergänzen.
Generell wollen wir den Theaterraum ein wenig schick herrichten.
Wir brauchen Geld für unsere Werbung - Plakate, Flyer etc. - Alles will bezahlt werden!
Und außerdem brauchen wir essen.
Wir können das unmöglich alles aus eigener Tasche bezahlen, daher hoffen wir auf zahlriche Unterstützer_innen!
Wer steht hinter dem Projekt?
Die Gruppe "Radikal & Arrogant"
Unter anderem verantwortlich für den Film "Utoya - Utopia", und die "Radikal & Arrogant" Party am 25. 02. in der Roten Flora.
http://www.facebook.com/radikalundarrogant


