Ja, es ist Frühling und die Sonne scheint flach. Kaum schaut man zum Fenster raus, sieht man den Dreck den vergangenen Winters, Staub, Fingerabdrücke, Putzschlieren befinden sich dort wo man eigentlich annahm bei der letzten Putzaktion richtig sauber geputzt zu haben.
Frühlingsputz ist eigentlich völlig nebensächlich, aber nachdem ich alle Chemie beisammen, die Verhaltensmuster derselben erkannt habe, mache ich Bildtests mit all meinen Freunden und Bekannten: Routine gewinnen, Fehleranalyse.
Ich muss nicht erwähnen, dass alle fasziniert sind, wie das Kollodium auf die Platte kommt, das exakte 3-Minuten Silberbad mit - neuerstandener - geeichter Eiersanduhr, das Stillsitzen, nicht blinzeln über 20 Sekunden, dann entwickeln, zuschauen wie sich das Bild im Fixierbad aus der bläulichen schmierigen Schicht erscheint. Wow....
Aber zurück zum Frühlingsputz. Da hat man nun vom einzigen Glashändler Europas, welcher noch Schwarzglas an Lager hat, welches zum m2-Preis von 160 € bestellt. Und stelle fest, dass es einfacher ist mit 100% Essigsäure, den explosiven Substanzen wie Kollodium oder Silbernitrat zu arbeiten, als eine Glasscheibe sauber hinzubekommen.
Seit gestern vermute ich allerdings dass ich zu viel putze, oder dass das traditionelle Rezept mit Kalziumkarbonat (Kreidemehl) und Alkohol zu grobschlächtig ist und die Schlieren eigentlich Kratzer sind – mal sehen...
Die Grafik12 war höchst interessant, auch wenn ich (noch) nicht vertreten war. Interessant war vor allem das Publikum, im Gegensatz zum „Original-Anlass“ Photo12, war alles entspannt und zwanglos. Das Publikum an den Fotografie-Anlässen ist durchwegs angespannt, bisweilen sogar latent aggressiv. Nach 7 Ausgaben mit zusammen bald 100'000 Besuchern musste nicht nur ich feststellen, dass es ein spürbares Stereotyp gibt.
Vielleicht lässt sich das darin begründen, das in der heutigen Fotografie zu wenig Unterscheidungsmerkmale gibt. Vergleicht man die fotografischen Arbeiten mit jenen Arbeiten von Grafikern und Illustratoren so sind 2 Faktoren evident: Die Persönliche Handschrift und das Können ist augenscheinlicher. Ich der zeitgenössischen Fotografie wird es Zusehens schwieriger eine persönliche Handschrift zu entwickeln. Die Standardisierung der Produkte, der Arbeitsprozesse vereinheitlicht die Ergebnisse. Varianten dieser Neutralität lassen schnell „Hipstamatic“ vermuten.
Der fotografische ADS ist weitverbreitet. Dazu kommt, dass zu viel möglich wird, die Zielsetzung verliert sich in den übermenschlichen Strukturen und die Wertschätzung für das gute Bild liegen am Boden – bei den Machern wie auch den Betrachtern. Im letzten Blogbeitrag hatte ich das Interview mit dem deLighted Magazine erwähnt. Die Interview Partner lachten herzlich über diese Begriffwahl – aber ich wende mich an die Fotografen unter Euch: Löscht Ihr die schlechten Bilder? Wie viele Bilder macht Ihr um mit einem zufrieden zu sein. Ist es dann auch das Bild welches Ihr im Edit am Computer aussucht? Seid ehrlich!
Wenn Ihr doch wisst wie ein gutes Bild aussieht, macht es und steht dazu! Löscht die Schlechten! Nehmt diesen Appell ernst! Wenn Euch beim Kochen ein Gericht nicht gelingt, werft Ihr es doch auch weg. Oder sind Eure Kühlschränke voll mit altem Essen in der Hoffnung man könnte nochmals satt werden davon? Schlechte oder mittelmässige Bilder machen aggressiv, es ist wie die Kinderzimmer mit Schreibfehler übersähten Diktaten zu tapezieren. Der Mensch ist vergesslich nutzt es im Positiven. Harddisks sind wie Kühlschränke sie halten Lebensmittel nur beschränkt frisch, besser werden sie aber niemals.
Wirtschaftlich muss ich erkennen, dass die von mir gewählte Technik der Ambrotypie derart teuer ist, dass ich mir Fehlversuche oder eben diesen fotografischen ADS kaum leisten kann. Folglich habe ich begonnen Glasplatten bei nicht gefallen zu Reinigen, zu recyceln. Der Prozess und das einfache Equipment zwingen mich dazu über das Gute Bild nachzudenken.
Die Rückeroberung MEINER LEIDENSCHAFT!!!
Ab Mai hoffe ich die ersten langsamen Portraits zu machen. Mein Vater hat mir eine kleinere mobile Dunkelkammer gebaut. Meine Mutter besorgte mir einen klappbaren, mit bis zu 200kg belastbaren Sackrolli - geniales Teil. Ich studiere gerade, ob ich aus dem Rolli gleich Kamerastativ und Dunkelkammerhalter machen kann. Ob's gelingt erzähle ich Euch dann beim nächsten Mal.