Startnext ist gemeinnützig – warum?
Es war eine der Grundintentionen der beiden Gründer schon im Jahr 2009, die in Entwicklung befindliche Crowdfunding-Plattform Startnext für Deutschland auf gemeinnützige Füße zu stellen. Im Mai 2011 erhielt das Projekt dann die gewünschte Einstufung vom Finanzamt.
Ein paar Fragen an die Gründer sollen klären, warum die Gemeinnützigkeit wichtig ist.
Welcher Gedanke steckt hinter der Gemeinnützigkeit?
Denis Bartelt: „Wir stellen eine Technologie im Internet zur Verfügung, die für jeden frei zur Nutzung sein soll. Mit der Plattform können Menschen und Projekte gefördert werden, die mit ihrem Handeln unsere Gesellschaft voranbringen und bereichern. Auf Startnext haben wir für Kreative, Künstler und Erfinder einen Zugang zu privaten und wirtschaftlichen Geldern geschaffen. Häufig handelt es sich bei den Projekten nicht um kommerzielle Ansätze, teilweise sind die Projekte zu klein für die öffentliche Förderung oder passen nicht zu den Kriterien, dennoch soll ihnen Förderung zu Teil werden. Crowdfunding erscheint uns dafür als das richtige Instrument.“
Tino Kreßner: „Aus den kleinen Budgets eine Provision zu entnehmen, erscheint uns nicht der richtige Weg. Ähnlich wie beim Fundraising sind Provisionen hier aus unserer Sicht nicht angebracht, denn es bedeutet auch immer, dass einige der Unterstützer die Provision zahlen und die Unterstützung gar nicht da ankommt, wo sie angekommen soll. Mit der Größe eines Projektes skaliert auch die Provision – dieses Dilemma wollten wir von vornherein verhindern. Startnext arbeitet deshalb ohne Provisionen.“
Wer profitiert von der Gemeinnützigkeit der Plattform?
Tino Kreßner: „Zunächst profitieren die Projektinitiatoren, denn sie brauchen nichts von dem eingenommenen Budget abgeben. Das Geld fließt also zu 100% in das Projekt. Auch die Projektunterstützer profitieren, denn sie wissen genau, dass das Geld direkt in das Projekt fließt. Aber auch Startnext profitiert, denn mit der Gemeinnützigkeit sind wir auch in der Lage Spenden für die Plattform anzunehmen. Diese Spenden dienen dann lediglich zur Erhaltung der Infrastruktur und zur Deckung anderer Kosten.“
Denis Bartelt: „Außerdem profitiert, der von Startnext entwickelte Crowdfonds! Von allen eingenommen Spenden gehen 50% garantiert in diesen Fonds. Das Geld aus dem Fonds wird dann wieder 1:1 in Projekte investiert. Damit das auch professionell und im Sinne der Spende geschieht, haben wir ein Advisory Board mit unabhängigen Vertretern aus der Kreativszene, Wirtschaft und Politik zusammengestellt. Gemeinsam wird das Gremium dafür sorgen, dass das Geld richtig eingesetzt wird. Mit Stand Dezember 2011 sind immerhin schon 6.000€ im Topf, die ausgeschüttet werden können. Auch Unternehmen können somit durch eine Spende an den Crowdfonds Geld für kreative Projekte spenden. Der Crowdfonds untermauert unser Gemeinnützigkeits-Prinzip und weicht stark davon ab, was andere Crowdfunding-Plattformen für ihre Projekte tun.“
Tino Kreßner: „Hinter dem Startnext-Modell, an dem Kreative und deren Unterstützer beteiligt sind, steckt keine Gewinnabsicht. Entsprechend werden hier keine Gewinne erzeugt, alle indirekten Einnahmen werden wieder der Plattform zugeführt.“
Wie finanziert sich die Plattform?
Denis Bartelt: „Die Plattform wird derzeit von den Gründern im Alleingang finanziert. Es gibt weder Beteiligungen von Investoren oder Förderung von öffentlicher Seite, wie schon von einigen vermutet wurde.
In Zukunft sollen Premium-Funktionen für Einnahmen sorgen. Zu den Funktionen gehören zum Beispiel die „Page“, die es Unternehmen ermöglichen soll eigene Crowdfunding-Kampagnen für kulturelle Projekte zu begleiten oder Zusatzmodule, die Projektinitiatoren nutzen können, um für mehr Erfolg beim Crowdfunding zu sorgen. Hinzu kommen auch Leistungen, wie die professionelle Beratung und Unterstützung der Projektinitiatoren z.B. bei Social Media Kampagnen oder beim Video-Dreh. Es gibt eine Vielzahl solcher möglichen Leistungen. Alle Leistungen haben aber nichts direkt mit dem Crowdfunding-Prozess auf der Plattform zu tun, sondern können fakultativ hinzugebucht werden. Viele der Produkte werden sich an Unternehmen richten. Als leuchtendes Beispiel geht die Kreativgesellschaft der Stadt Hamburg voran. Sie hat eine Sub-Plattform von Startnext realisieren lassen und kann dort nun mit diversen Modulen für Erfolg der Hamburger Projekte sorgen.“
Welche Erfahrungen wurden in dem Zusammenhang gemacht?
Tino Kreßner: „Gerade die Künstler nehmen unsere Idee sehr gut an. Für viele ist es sehr wichtig, dass die Fördermechanismen, wie sie mit Crowdfunding möglich sind, nicht kommerzialisiert werden. Auch die Unterstützer verstehen die Gemeinnützigkeit als wichtiges Qualitäts- und Motivationsziel. Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Die Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen wird dadurch einfacher oder teilweise überhaupt erst möglich.“
Denis Bartelt: „Nur in der Crowdfunding-Szene selbst gibt es einige Unsicherheiten zum Konzept und häufige Nachfragen. Vermutlich sehen einige Plattformen darin eine Benachteiligung. Einige Plattformbetreiber haben uns sogar beim Finanzamt oder bei Preisverleihungen in Frage gestellt, was für uns sehr überraschend war. Tatsächlich ist es so, dass die Vielzahl von Gründungen im Jahr 2010 aus verschiedenen Motivationen entstanden sind. Viele wurden unserer Vermutung nach einfach vom Erfolg von Kickstarter und den dort vorliegenden Zahlen angesteckt. Wir jedoch wurden eher von den Chancen für Kreative angesteckt, zu denen wir uns selbst zählen, und sehen darin vor allem eine Bewegung hin zu mehr demokratischen Fördermechanismen. Nicht zuletzt haben wir deshalb die co:funding-Konferenz ins Leben gerufen, um zu zeigen, dass hinter Crowdfunding viel mehr steckt, als das Geld geben der Crowd. Unser Anspruch öffentliche Förderung und Unternehmensengagement einzubinden, hat vielen die Augen geöffnet. Wir sind uns sicher, dass das ein nachhaltiger und richtiger Weg ist. Gegen ein Provisionsmodell als Motivationsgrundlage und Einnahmequelle ist dennoch nichts einzuwenden, wir haben uns jedoch dafür entschieden die Einnahmen an Stellen zu realisieren, die nicht auf jene treffen, denen die Unterstützung gebührt.“
Wer steckt hinter Startnext und all den Aktivitäten?
Denis Bartelt: „Die Quelle des Software Know-how für die Infrastruktur von Startnext ist meine Internet Agentur tyclipso.net, die ich 2003 in Dresden ins Leben gerufen habe. Die Plattform wurde auf der Basis des Frameworks myty entwickelt, welches kurzfristige Adaptionen, White-Labels und Module ermöglicht. Sämtliche Prozesse sind standardisiert und abrufbar. Das macht die Entwicklung langfristig sehr effizient und skalierbar. Startnext hat diese Software gemietet. 2009 kam es zum Treffen mit Tino Kreßner und ziemlich kurz danach zur Entscheidung für die gemeinsame Plattform."
Tino Kreßner: „Infolge dessen haben wir zwei Unternehmen gegründet. tyclipso.me (me = media evolution) welche sich mit der Entwicklung und Vermarktung von Social Media Konzepten und Mobilen Apps beschäftigt und Startnext als Betreiber der Crowdfundingplattform. tyclipso.me übernimmt die Vermarktung von Startnext-Produkten, während tyclipso.net mit seinen 20 Mitarbeitern für die Weiterentwicklung der Plattform-Funktionen steht. Die Plattform-Lösung von Startnext steht im Übrigen als Software-Service-Produkt am Markt zur Verfügung und kann gemietet oder gekauft werden."
Denis Bartelt: „Mit der co:funding-Konferenz haben wir zudem ein Konferenz-Format etabliert, welches die Themen rund um Crowdfunding öffentlich thematisiert und diskutiert. Die co:funding wird ebenfalls von tyclipso.me realisiert und durchgeführt. Für die Kuration wird Startnext beauftragt. Das Modell ist aus unserer Sicht stimmig, denn mit dem Aufbau unserer Plattform war uns bereits klar, dass es ohne massive Öffentlichkeitsarbeit im Förderland Deutschland schwer werden wird, da privates Fördern hierzulande noch nicht etabliert ist. Die co:funding Konferenz und die dazugehörigen Workshops sollen das ändern. Die ersten beiden Veranstaltungen waren bereits ein großer Erfolg.“
Abbildung: Zusammenspiel der Unternehmen für die Realisierung der Crowdfunding-Plattform Startnext
Anmerkung: Das Interview wurde von uns selbst durchgeführt. Die Fragen haben wir mehrfach von interessierten Plattformbeobachtern erhalten.
